Arthur Lutze (1813-1870)

Der homöopathische Heilpraktiker Arthur Lutze veranlasste den Bau der bis dahin größten homöopathischen Klinik der Welt in Köthen. Diese wurde fast ausschließlich durch den "Lutze-Taler" finanziert.

Arthur Lutze wurde am 1. Juli 1813 in Berlin geboren. Sein Bruder und die beiden Schwestern verstarben bereits zwei Jahre vor seiner Geburt, sodass er zum einzigen Sprössling der Familie wurde, welcher auf das nach ihm benannte Familiengut Arthusberg bei Stettin gebracht wurde. Dort besuchte er das Gymnasium und später das Alumnat (Internat) in Bunzlau.

1829 bzw. 1830 verlor Arthur Lutze kurz nach einander Vater und Mutter. Verwandte ermöglichten ihm den Gymnasialbesuch, aber das ersehnte Theologiestudium konnte ihm aufgrund fehlender Mittel nicht ermöglicht werden.

Zunächst verdingte er sich ab 1830 als Postschreiber in Nordhausen, von wo aus er mehrfach versetzt wurde. Hier lernte er durch Dr. Philipp Rath erstmals die Homöopathie kennen. Dabei beeindruckte ihn besonders die Danksagung einer wieder zum Augenlicht gekommenen Frau, welche an Schwarzem Star erkrankt war. Bereits jetzt interessierte sich Lutze für die Veröffentlichung von Samuel Hahnemann zur Homöopathie.

Nach vielen Jahren der Privatstudien beschloss Arthur Lutze im Jahr 1843 seine inzwischen erlangte Stellung als Postsekretär aufzugeben, um sich selbst dem Beruf des Homöopathen zu widmen. Arthur Lutze wurde Lehrer und Arzt am Zivilwaisenhaus in Klein-Glienicke bei Potsdam, wo er praktische Erfahrungen sammelte, indem er Tausende von Kranken meist kostenlos behandelte. Die Zahl seiner Patienten stieg ins Unglaubliche, die Zeitungen priesen und verspotteten ihn. Alsbald hielten es die preußischen Behörden für ihre Pflicht, der ganzen Sache Einhalt zu gebieten. Auch mangels einer medizinischen Approbation Lutzes, wurde diesem 1845 jede weitere Tätigkeit in Preußen untersagt.


Arthur Lutze in Köthen (Anhalt)

Arthur Lutze zog am 24. August 1846 im Gasthof "Zum Fasan" in Köthen ein. Auf Grund zahlreicher Bittschriften an Herzog Heinrich erging im Oktober desselben Jahres der Beschluss ihm einen dreimonatigen Aufenthalt mit der Erlaubnis zur Anwendung äußerlicher und innerlicher Kuren zu gewähren. Dabei hatte er sich an Auflagen wie die wöchentliche Einreichung der behandelten Personen mit Angabe ihrer Krankheiten bei der Ortspolizeibehörde zu halten.

1847 heiratete Arthur Lutze am 14. November die Tochter des Predigers Auguste Lautsch und zog mit ihr ein Jahr darauf in eines der größten Häuser Köthens. Das dem Schlosspark gegenüber liegende Grundstück umfasste auch ein Nebengebäude mit Wagenremise, Stallung, Waschhaus und einigen Wohnstuben unter dem Dach. In diesem Gebäude ließ Lutze Wohnungen und einen großen Saal als Poliklinik einrichten. Lutze selbst wohnte mit auswärtigen Kranken, die u.a. aus Deutschland, England und Westindien stammten, im Haupthaus.

Als der Herzog von Anhalt-Köthen stirbt, will sein Nachfolger Herzog Leopold, die Approbation von Lutze anfechten. Er will ihn außer Landes verweisen. Nun hat Köthen eine kleine Revolution. Die Einwohner und zahlreiche zugereiste Patienten bringen Lutze zu Ehren einen Fackelzug zustande und entsenden Volksdeputationen zur Regierung. Minister von Geßler vermittelt - Lutze solle eine ordnungsgemäße Universitätsprüfung ablegen und den Doktorgrad erwerben. Aus diesem Grund und um sich die Augenheilkunde besser anzueignen, studierte Arthur Lutze zwischenzeitlich in Halle (Saale), wo er unter anderem die Operation des Grauen Stars erlernte. Im Jahre 1850  promovierte er in Jena zum Doktor der Medizin und Chirurgie. Zusammen mit seinen drei Söhnen richtete der unermüdliche Lutze eine Lehranstalt für Heilpraktiker ein.


Die Lutzeklinik

1854 beschloss Arthur Lutze den Bau einer der bis dahin größten homöopathischen Klinik der Welt. Dazu unternahm er 1852 eine Reise nach Paris, um die dortigen Spitäler, die wegen ihrer zweckmäßigen Einrichtung berühmt sind, zu besichtigen und das Beste für sich auszuwählen.

1855 wird der Neubau im neugotischen Stil fertig gestellt, finanziert durch den so genannten "Lutze-Taler". Lutze ließ 100.000 Taler-Anweisungen drucken, welche 1 Taler kosteten und mit der Zusage verbunden waren, dass bei der Rückgabe dieser Scheine das Geld wieder ausgezahlt wird. Dank seiner großen Popularität fanden die "Lutze-Taler" reißenden Absatz. Viele machten von der versprochenen Rückzahlung keinen Gebrauch, da die "Lutze-Taler" mittlerweile einen hohen Sammlerwert hatte.

1855 eröffnete die Lutzeklinik. Sie verfügte über mehrere große Krankensäle sowie 72 Zimmer für zahlende Privatpatienten, einen Park, diverse Heilbäder, eine Bibliothek, eine Kunstgalerie und eine Sternenwarte. Im Hauptgebäude nimmt ein zur Poliklinik bestimmter Saal mit einem Eingang zur Straße den größten Teil der Front nach Osten ein. Daran stößt das Sprechzimmer an, welches für Spezial-Konsultationen, Untersuchungen und Operationen vorgesehen war. In der Etage darüber befand sich der Musiksaal mit seinen beiden Vorhallen, geziert mit einem Kreuzgewölbe.


Die letzten Jahre des Arthur Lutze

In der seit 1858 erschienenden hauseigenen Zeitschrift "Hahnemannia, fliegende Blätter für Stadt und Land über Homöopathie" zeigen regelmäßig veröffentlichte Jahresberichte eine stetige Zunahme der Gesamtpatientenzahl. Allein im Jahr 1864 versorgte Lutze in der Poliklinik nahezu 27.000 Kranke und beantwortete etwa 51.000 Briefe mit 163.000 Krankenberichten. Die Zimmer der Heilanstalt waren sowohl im Winter als auch im Sommer voll belegt. Arme wurden nach wie vor umsonst behandelt.

1860 wird Arthur Lutze durch den Herzog von Sachsen-Meiningen der Sanitätsratstitel verliehen. Auch die Fabrikation und weltweiter Versand von Medikamenten und vegetarischen Produkten sowie der Vertrieb von Druckschriften bildeten einen Teil des Unternehmens. Sämtliche Geschäfte wurden im Laufe der Jahre mit Hilfe von ca. 21 Beamten, einschließlich der Assistenzärzte, bewältigt.

Die homöopathische Zunft lehnte jedoch Lutzes fabrikmäßige Massenbehandlung von Anfang an ab und versuchte wiederholt, die Schließung seiner Klinik durchzusetzen. Sie existierte trotzdem noch bis 1914.

Arthur Lutze starb am 11. April 1870 in Köthen im Alter von nur 56 Jahren auf der Höhe seines Schaffens an Überarbeitung.


Das Erbe von Arthur Lutze

Lutze hat durch seine unkonventionellen Behandlungsmethoden an unzähligen Personen Erfahrungen und Einsichten gesammelt, die anderen nicht möglich war. Mit seinen heute modern anmutenden Diätvorschriften zu vegetarischer Ernährung und einer gesunden Lebensweise war er seiner Zeit um ein Jahrhundert voraus.

Der historische Prachtbau der Lutzeklinik ist jüngst restauriert worden. Nach weiteren umfangreichen Umbaumaßnahmen und einer Umbenennung in "Lutzestift" sollen hier altengerechte Wohnungen sowie Räume für eine Tagespflege entstehen. Zudem soll ein homöopathischer Arzt in der Lutzeklinik seine Praxis beziehen.

Das Historische Museum im nahen Schloss bietet eine Dauerausstellung zum Thema Homöopathie in Köthen.

Am 15. Dezember 1897 wurde das Hahnemann-Lutze-Denkmal des Bildhauers Heinrich Pohlmann eingeweiht. Es befindet sich im Schlosspark gegenüber der Lutzeklinik, Ecke Springstraße/Theaterstraße.


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