Merzien, Zehringen + Hohsdorf
In der 4,8 km östlich von Köthen liegenden Ortschaft Merzien und seinen beiden Ortsteilen Zehringen (nördlich) und Hohsdorf (östlich) leben etwa 757 Einwohner (per 31.12.2011) auf einer Fläche von ca. 10,08 km². Seit dem 30. Juni 1994 gehört Merzien zur Stadt Köthen (Anhalt). Der Ortsbürgermeister Adolf Tauer kümmert sich hier um die Belange der Bürger vor Ort.
| Sprechzeiten des Ortsbürgermeisters: |
jeden ersten Donnerstag im Monat 16:00 - 18:00 Uhr Dorfgemeinschaftshaus Merzien Straße der Thälmannpioniere 4 Telefonnummer 0174/ 33 78 257 |
| Ortschaftsrat: | Mitglieder des Ortschaftsrates Merzien |
| Ortsanbindung: | Regionaler Busverkehr ab Busbahnhof Köthen |
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Spielplätze: |
Spielplatz Merzien Spielplatz Hohsdorf Spielplatz Zehringen
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MERZIEN
Geschichtliche Fakten
Einst als Morzym, Märzin, Mertzschin oder Merzin in dem Ortsnamenbuch des Mittelelbgebietes aufgeführt, wurde erstmals um 1347 bei einem Kaufgeschäft das "Dorf Mortzun" urkundlich erwähnt.
| 1614 |
Fam. von Schlegel im Besitz des Lehns Merzien Entstehung des Gesamtlehen Zehringen-Merzien |
| 1681 |
Gründung einer Bäckerei (späteres Kaffeehaus) |
| 1772 |
Ende der zwei berüchtigsten Hungerjahre |
| 1781 |
Aufkommen der heutigen Schreibweise "Merziens" |
| 1830 |
Einrichtung der "Grünbergschen Lehranstalt für Knaben" (1846 Schließung) |
| um 1831 |
Umzug des Eigentümers der Schafzuchtanstalt Carith samt Merinoschafherde nach Merzien |
| 1853 |
Errichtung eines neuen Schulgebäudes |
| 1899 |
Neubau der Dorfkirche |
| 1920 |
Gründung des Vereins Fußballvereinigung 1920 Merzien e.V. |
| 1932 |
Beleg einer Siedlung in der frühen Eisenzeit durch archäologische Funde |
| 1942 |
Gründung einer örtlichen Feuerwehr |
| 1994 |
Eingemeindung von Merzien mit seinen Ortsteilen Hohsdorf und Zehringen in die Stadt Köthen (Anhalt) |
| 2002 |
der Gutshof wird zum Reiterhof |
| 2003 |
Abriss der alten Schäferei |
Kultur + Sehenswürdigkeiten
Kulturell von großer Bedeutung ist die Dorfkirche. Die ursprüngliche Kirche aus Backsteinen mit einer Eingangshalle aus Fachwerk wurde 1898 abgerissen und ein Jahr später im neoromanischen Stil neu errichtet. Als bauliche Besonderheit gilt der im Osten angebaute Kirchturm. Doch auch die Orgel der Firma Rühlmann mit mechanischer Traktur von 1880 sowie der Altar und der Taufstein aus dem Jahr 1899 sind sehenswert. In den Jahren 1998 bis 2003 wurde die Kirche saniert. Einschusslöcher aus dem II. Weltkrieg sind daher heute nur noch anhand der helleren Farbe der neu eingesetzten Steine erkennbar.
Der die Dorfkirche früher umgebende Friedhof wurde an den Ortsrand verlegt. Eine Neugestaltung der darauf befindlichen Trauerhalle und des Gedenksteins fand vor wenigen Jahren statt. Jener Stein markiert die Ruhestätte von zwei polnischen Bürgern und zwei deutschen Soldaten, die im II. Weltkrieg gefallen sind.
Sehenswert sind in Merzien unter anderem die zwei vorhandenen Bockwindmühlen aus dem 19. Jahrhundert. Beide liegen etwas außerhalb des Ortes in Richtung Hohsdorf bzw. Quellendorf auf der rechten Seite und befinden sich in Privatbesitz. Die nördliche Mühle wurde 1868 erbaut. Sie war bis 1949 in Betrieb bevor ihr das Flügelkreuz samt Flügelwelle abgenommen und die Anlage modernisiert wurde. Heutzutage ist sie noch gelegentlich elektrisch für das Mahlen von Schrot in Gebrauch. Die südlich gelegene 1886 erbaute Bockwindmühle ist seit 1953 jedoch außer Betrieb und verfällt zunehmend.
Parks + Natur
Der Merziener Busch ist einer von drei Restwäldern, welche einst ein zusammengehörendes Waldgebiet entlang der Ziethe bildeten. Heute befindet sich der Merziener Busch in privater Hand.
Womöglich nach dem Vorbild des Wörlitzer Parks entstanden, befindet sich der 94 Hektar große Merziener Park im östlichen Teil des Ortes in der Nähe des Gemeindehauses. Dieser begrenzt den Park im Süden. Die westliche Grenze bildet die Dorfkirche mit der vor kurzem sanierten Friedhofsmauer während im Norden der Merziener Busch und im Osten ein Wohnhaus mit alten Stallungen und die ehemalige Dorfschule an den örtlichen Treff- und Veranstaltungspunkt angrenzen. Der Hügel im Nordteil des Parks - von den Merzienern auch liebevoll "Motte" genannt - ist mit seinen ca. 16 m Durchmesser und den 3 bis 4 m Höhe wahrscheinlich der Rest einer frühdeutschen Befestigungsanlage. Ein ehemals wasserführender Ringgraben um die Erhöhung ist heute vollständig verfüllt. Der Park reizt mit seinem Volleyballplatz, den Bänken und der kleinen Bühne zum Sport treiben, Ausruhen und Verweilen.
Ein weiteres Fleckchen zum Erholen ist der tiefste Punkt im Norden des Dorfes, die so genannte "Wasserstadt". Das dort befindliche unter Naturschutz stehende Teichbiotop stellt ein beliebtes Ausflugsziel vieler Merziener dar. Gebildet wird es von zwei Teichen, welche durch einen Überlauf miteinander und mit der Ziethe verbunden sind. Die unterschiedlichsten Wasservögel können bei einem kleinen Rundgang um den Teich beobachtet und die Ruhe der Natur genossen werden.
Wirtschaft
Die Wirtschaft Merziens umfasst neben der Gaststätte und Pension Zur Erholung und der WIMEX Agrarprodukte Import und Export GmbH überwiegend Dienstleistungsgewerbe. Des Weiteren verfügt der Ort über die weithin bekannte Pferde-Pension von Arno Hildebrandt.
Bekannte Personen aus Merzien
- Pfarrer Jutzlar - ab 1765 in Merzien tätig, verstorben Februar 1810
- Enno Sander - namhafter Pharmazeut in Amerika, Schüler in der Grünbergschen Lehranstalt 1848
- Bernhard Heese - Dessauer Heimatchronist
- Guts-/Lehnbesitzer:
- Fürst Albrecht II. und Waldemar I. von Anhalt
- Familie von Schlegel
- Herren von Thünen
- Familie Strandes
- Amtmann Behmer (Zuchtschäferei)
Sport + Freizeit
- Fußballvereinigung 1920 Merzien e.V.
- Kirchenchor
Regelmäßige Veranstaltungen in Merzien
- Osterfeuer auf dem Sportplatz
- Kinderfest (jeweils im Juni)
- Parkfest und Sommernachtsball (jeweils in den Sommermonaten)
- Oldtimertreffen und Kirschfest (jeweils am letzten Wochenende im Juni)
- Halloween (immer am 31.10. des Jahres)
ZEHRINGEN
Der Ort Zehringen gehört als Ortsteil Merziens zur Stadt Köthen (Anhalt). Trotz seiner nur fünf Straßen hat er einiges zu bieten, zu erleben und zu besichtigen.
Geschichtliche Fakten
Erstmals wurde "Zeringe" um 1370 urkundlich erwähnt. In seiner jetzigen Schreibweise taucht die Bezeichnung "Zehringen" ab 1589 auf.
| 1596 |
sollten die lutherischen Zehringer durch eine Verordnung des Fürsten Johann Georg zum reformierten Glauben übertreten. Obwohl die Bevölkerung zur damaligen Zeit üblicherweise den befohlenen Glauben ihres Lehnsherren annehmen mussten, erwies es sich als schwierig, die Bürger Zehringens und des umliegenden Landes "für das neue Bekenntnis zu gewinnen". |
| 1620 |
wütete auch in Zehringen die Pest |
| 1631 |
Plünderungen des Rittersitzes im Zuge des Dreißigjährigen Krieges |
| 1648 |
Zehringen war laut eines Pfarrerberichts entvölkert und exhumiert |
| um 1783 bis 1789 |
gab es mehrere Schornsteinbrände auf dem Rittergut auf Grund von Nachlässigkeiten des Schornsteinfegers; Zehringen hatte bereits eine eigene Feuerwehr, welche 1970 aufgelöst wurde |
| 1916 |
Brand des Merziener Pfarrhauses, bei dem die ältesten Kirchenbücher und somit zahlreiche Daten verloren gingen |
| 1925 |
wird das erste elektrische Lichtsystem im Ort eingerichtet |
| 1935 |
Einweihung des Kriegsdenkmals |
| um 1942 |
Hochwasser in Zehringen |
| 25.05.1951 |
Gründung des Pflegeheimes |
| Aug. 1997 |
Besuch des ehemaligen Rittergutsbewirtschafter Adolf Strandes |
| 1999 |
Errichtung einer historischen Druckerei auf dem Gut Zehringen |
| 03.05.2000 |
Gründung des Fördervereins "Zehringen" e. V. |
Kultur + Sehenswürdigkeiten
Kulturell hat Zehringen neben dem ehemaligen Rittergut mit historischer Druckerei seine Dorfkirche zu bieten. Deren ältester Teil, der Unterbau des Kirchturms, stammt vermutlich aus dem 12. Jahrhundert. Kirchenschiff und Chorschluss hingegen wurden wahrscheinlich in der Spätgotik mit korbbogenförmigen Fenstern und einem schlichten Innenraum erbaut. Die Kirche erhielt 1749 an der Südseite die Sakristei als Anbau. 1935 stellte die Gemeinde am Eingang zur Kirche ein Kriegerdenkmal auf.
2007 fanden Sanierungsarbeiten an der Kirche statt, so dass sie sich nun den Besuchern in neuer, ungewöhnlich starker Farbenpracht zeigt. Sehenswert sind in Zehringen vor allem:
- das Rittergut Gut Zehringen
- die archäologischen Fundgegenstände im Köthener Museum
- die Dorfkirche
Parks + Natur
Einst lud der Zehringer Park die Einwohner des Ortes zum Erholen und Genießen im Freien ein, nun gehört diese ca. 1 ha große Fläche zur Langzeiteinrichtung für behinderte Menschen.
Der Zehringer Busch gehörte mit dem Merziener Busch und dem Ziethe Busch zu einem lang gestreckten Waldgebiet entlang der Ziethe. Auf Grund des zunehmenden Bedarfs an Acker-, Weide- und Wiesenflächen wurde dieser jedoch abgeholzt. So zeugen heute nur die Restwälder von der früheren Auenwaldlandschaft. Die in diesem Gebiet befindlichen Wälle und Gräben, welche auf eine Wallburg (Fluchtstätte) schließen lassen, bilden ein einzigartiges Ambiente.
Im Regenschatten des Harzes befindlich, erstreckt sich dieser Laubmischwald auf etwa 500 m Länge und 130 m Breite. Der Waldboden besteht vorwiegend aus Ablagerungen sowie teils aus Auenlehm mit unterschiedlichen Sandanteilen und eingewehtem Lößsand. Bereits 1927 wurde der Zehringer Busch auf Antrag des Vogelschutzvereins Köthen zum Naturschutzgebiet erklärt.
Detaillierte Angaben zu Vegetations- und Bodenverhältnissen als auch klimatischen Bedingungen und einer gedrängten Zusammenstellung einer Bestandsaufnahme können in der Chronik "Zwei Orte an der Ziethe" nachgelesen werden.
Wirtschaft
Ab etwa 1886 übernahm Familie Strandes das Rittergut und errichtete dort eine Zuckerfabrik. Der große Kornspeicher des Gutes wurde während des zweiten Weltkrieges als Lager der Junkerswerke umgenutzt. So waren dort zu dieser Zeit vor allem Ersatzteile für den Flugzeugbau und Flugzeugmotoren statt Gerste oder Roggen zu finden.
Nachdem das Gutsherrenhaus Ende der 1940er Jahre von Umsiedlern aus der CSSR bewohnt wurde, wurde dort am 25. Mai 1951 ein Altenpflegeheim eingerichtet. Dieses entwickelte sich zu einer seit 1992 als solche bis heute existierenden Langzeiteinrichtung für geistig- und mehrfach behinderte Erwachsene. Dieses befindet sich seit 1994 in privater Trägerschaft der Unternehmensgruppe Burchard Führer, welche in den darauf folgenden Jahren zahlreiche Baumaßnahmen durchführte, so dass 1997 einige Bewohner und die Verwaltung in den als Wohn- und Therapiecenter umgebauten Getreidespeicher einziehen konnten. Zwei Jahre später fand die Errichtung einer historischen Druckerei auf dem Gelände des alten Rittergutes statt.
Bekannte Personen des Ortes
- Lehrer (Kantor) Georg Pohle
- Ritterguts-/Lehnbesitzer:
- Familie von Schlegel
- Familie Eggerling
- Familie Strandes
Adolf Strandes besuchte 1990 zum ersten Mal nach 45 Jahren seine alte Heimat und das ehemalige Elternhaus, welches heute als Pflegeheim genutzt wird.
Regelmäßige Veranstaltungen
- Zehringer Dämmerschoppen (4 x jährlich, Teilnahme auf Anfrage)
- Tag der offenen Tür des Gut Zehringen
- Frühlings-, Sommer-, Herbstfest
- Halloweenfeier
- Sportfest























