Geschichte der Kirche Großwülknitz
Die Kirche in Großwülknitz ist eine der ältesten Kirchen in der Region, ähnlich der Kirche in Hohnsdorf. Sie wurde vor 1170 unter dem Ahnherren des anh. Fürstenhauses, Albrecht der Bär, erbaut. Die Geschichte des Ortes und der Kirche ist eng mit den Christianisierungsbemühungen der wendischen Volksstämme zu sehen. Großwülknitz war im 12. Jh. das politische, wirtschaftliche und staatliche Zentrum einer in direkter Grenzlage zu den Wenden liegenden Grafschaft (Markgrafschaft).
Der Zeit entsprechend, war die Kirche in Großwülknitz als Wehrkirche konzipiert. An der Süd-, Ost- und z. T. Nordseite des Turmes sind die dreifach gekuppelten Schalllöcher erhalten. Die romanischen Säulen sind mit Würfelkapitellen und Sattelkämpfern versehen und gleichen denen in der Kirche von Weißandt- Gölzau. An den Wänden finden sich aus romanischer Zeit eingemeißelte Kreuze der Ritter vom Templerorden. Vor das Satteldach des Turmes wurden in der Zeit des Barocks Turmgiebel aus behauenem Sandstein gesetzt.
Der Grundriss der Kirche entspricht der romanischen Kreuzform, wobei eine Besonderheit der Kirche in Großwülknitz in der Anordnung des Turmaufbaues zu sehen ist. Das Kirchenschiff wurde im 13. Jh. vergrößert. Während bei fast allen romanischen Kirchen der Turm an der Westseite des Kirchenschiffes anschließt, erhebt sich in Großwülknitz der Turmaufbau über der Vierung, deren Rundbögen sich nach allen Seiten öffnen. Gegen Osten schließt sich die Apsis, Richtung Westen das Kirchenschiff, in Nord- und Südrichtung schließen sich die Querhäuser an. Der Altarraum mit der gedrungenen Altarnische ist klein und schließt direkt an die Vierung an. Neben der Vierung mit Turm sind die Apsis und das südliche Querhaus die ältesten Teile der Kirche. Die Mauern des Kirchbaus bestehen weitgehend aus behauenen Sandsteinen, welche z. T. in Fischgrätenmuster vermauert wurden. Die Fenster wurden teilweise in der Zeit des Barock (Ende 16. Jh. bis ca. 1730) und teilweise im 19. Jh. verbreitert. Die Fensteröffnungen der Apsis und im südlichen Querhauses bestehen in ihrer Originalgröße.
1274 bewidmete Graf Siegfried I. von Anhalt das Frauenkloster zu Coswig mit dem Patronatsrecht der Kirche zu Wülknitz. 1318 löste der Erzbischof von Magdeburg Burchard III. die Kirche in Kleinwülknitz von der Kirche in Großwülknitz, welche bis dahin Tochterkirche der Kirche in Großwülknitz war. Das nördliche Querhaus wurde im 19. Jh. verlängert und mit einem Satteldach versehen. Zudem wurde ein neuer Zugang zu der Kirche errichtet. Die heute existierende Turmuhr wurde 1877 von der Firma J.F. Weule montiert. 2014 wurde die Turmuhr mit einem elektrischen Antrieb versehen.
Der Innenraum der Kirche ist schlicht gehalten, wie es einer romanischen Kirche entspricht. Der Zugang, früher von Westen her, erfolgt seit dem 19. Jh. durch das nördliche Querhaus. Über dem Chor und Querschiff sind die romanischen Tonnengewölbe erhalten. In Richtung Schiff öffnet sich die Vierung mit einem runden Triumphbogen, der ein reich profiliertes Kampfergesims aus Sandstein zeigt. Im südlichen Querhaus steht ein Taufstein aus spätgotischer Zeit mit pokalförmiger achteckiger Kuppe. Auf der Westempore, unter welcher im 20. Jh. eine Winterkirche war, wurde 1877 eine Orgel der Fa. G. Pfanneberg (1889–1901) aus Köthen, eingebaut. Die Orgel wurde 2006 restauriert. 2009 konnten die Kirchenfenster erneuert werden. Hiermit wurde die Glasgestalterin Gisela Krell beauftragt. Der Verzicht jeglicher figürlichen oder symbolischen Strukturierung stand bei der Gestaltung der Glasfenster im Vordergrund. Die neuen Kirchenfenster verbinden romanische Architektur mit moderner Kirchenkunst.
Textquelle: Evangelische Landeskirche Anhalts