BCKategorie 08.11.2017 09:18:51 Uhr

Hermann Wäschke (1850-1926)

Hermann Wäschke, Heimatforscher und Historiker, beschäftigte sich neben seiner Tätigkeit als Lehrer mit der deutschen Sprache und der anhaltischen Geschichte. Zu seinen bekanntesten Abhandlungen zählen, die 1900 erschienenen „Paschlewwer Jeschichten“.

Der Heimatforscher und Historiker Hermann Wäschke wurde am 21. Mai 1850 als fünftes Kind einer einfachen Großpaschlebener Familie geboren. Mit dem Tod seines Vaters, welchen der Sohn nie überwunden hat, verarmte die Familie.


Hermann Wäschkes Lehrjahre

Schon in der Grundschule wurde sein Talent für die deutsche Sprache erkannt. Dies ermöglichte ihm, das Ludwigsgymnasium in Köthen von 1862 bis 1870 zu besuchen, wo er auch sein Abitur ablegte. Durch die Unterstützung des Oberbürgermeisters der Stadt Köthen erhielt er das fürstliche Wolfgangsche Stipendium und konnte dadurch in Leipzig von 1871 bis 1875 die alten Sprachen Latein und Griechisch sowie Germanistik und deutsche Geschichte studierten. Er legte mit 25 Jahren ein sehr gutes Staatexamen ab und damit begann seine Karriere. 1875 wurde er in den höheren Schuldienst des Dessauer Gymnasiums aufgenommen. Aufgrund seiner Doktorarbeit über die Welt der Griechen und Römer erhielt er 1877 den Titel Dr. Phil. Hermann Wäschke.


Deutsche Sprache und Anhaltische Geschichte

Ein Jahr später widmete er sich verstärkt der deutschen Sprache und verfasste zahlreiche Abhandlungen, welche die Liebe zu seiner Heimat und den einfachen Menschen untermauerten. Von 1882 bis 1889 war er als Oberlehrer an dem Zerbster Gymnasium "Francisceum" tätig. Danach wechselte er wieder zum Dessauer Gymnasium und befasste sich mit der Anhaltischen Geschichte.

Sein Hauptwerk die "Paschlewwer Jeschichten" erschien 1900 in 6 Bänden. Sie waren die ersten, die im anhaltischen Dialekt geschrieben wurden. In der Widmung des 5. Bandes erinnerte er sich an  seine Eltern, welche zu der Zeit schon beide verstorben waren.

anhaltischer Dialekt:
"Un nu - arnst schtand Dein liewer Vater da,
An Recke von Jeschtalt, an janzer Mann,
Durt, Deine Mutter, freindlich lächelnd sah
Dich - ihren Schtolz - un mild den annern an,
Un durt - durt, Eires Hauses Sonnenschein,
Jeanette, Dein liewes, holdes Schwesterlein!"

Übersetzung:
"Und nun - ernst stand Dein lieber Vater da,
Ein Recke von Gestalt, ein ganzer Mann,
Dort, Deine Mutter, friedlich lächelnd sah
Dich - ihren Stolz - und mild den anderen an,
Und dort - dort, Eures Hauses Sonnenschein,
Jeanette, Dein liebes, holdes Schwesterlein!"


Die letzten Jahre von Hermann Wäschke

1901 wurde Hermann Wäschke zum Archivrat und Leiter des Anhaltischen Staatsarchivs, im Zerbster Schloss, ernannt. Außerdem gründete er den Zerbster Geschichtsverein, in dem er 23 Jahre als Vorsitzender fungierte.

In einem Brief von 1911 schrieb er über die Absicht seiner Mundartgeschichten:
"Ausgangspunkt all meiner literarischen Bestrebungen ist die Liebe zu unserem Anhaltland ... Ich glaube, das erreicht zu haben, was ich mir als mein Ziel dachte, den Charakter unserer nunmehr untergegangenen oder untergehenden bäuerischen Landbevölkerung in seiner Gesamtheit oder doch wenigstens in einer Summe von Lebensäußerungen und in der Form seiner Sprache festzuhalten."

Für sein Lebenswerk wurde er am 14. Mai 1925 zum Ehrenbürger der Stadt Zerbst ernannt. Am 1. April 1925 - nach 50 Jahren im Dienste des Anhaltischen Landes - ging Prof. Dr. Hermann Wäschke in seinen wohlverdienten Ruhestand. Er starb am 27. November 1926 im Alter von 76 Jahren.

Hermann Wäschke wurde für seine Leistungen als Heimatforscher und Historiker mit Urkunden, Orden, Bildnissen in Museen und weiteren Ehrenbezeugungen gewürdigt. Die Stadt Köthen (Anhalt) hat als Anerkennung für seine Arbeit eine Straße, die Hermann-Wäschke-Straße, nach ihm benannt.

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