Rathaus

Wenn Sie Köthen besuchen, ist das über 100 Jahre alte Rathaus auf jeden Fall einen Besuch wert. Sehenswert ist vor allem der historische Ratssaal mit seinen ornamentverglasten Fenstern, handgeschmiedeten Kronleuchtern und reich dekorierter Holzvertäfelung. Der Turm bietet aus ca. 40 Metern Höhe einen wundervollen Blick über Köthen.


Das Rathaus zu Köthen (Anhalt)

Das Rathaus der Stadt Köthen (Anhalt) ist in den Jahren 1896 bis 1900 nach Entwürfen der auch für den Neubau des Dessauer Rathauses verantwortlichen Architekten Reinhard und Süßenguth im Stile der Neurenaissance erbaut und am 29. Oktober 1900 feierlich eingeweiht worden. Es nimmt wegen der Qualität seiner architektonischen und innenarchitektonischen Gestaltung, die sich den Formen des Jugendstils nähert, unter den Repräsentationsbauten der Jahrhundertwende in Sachsen-Anhalt einen bedeutenden Platz ein. Da sein Originalzustand weitgehend bewahrt wurde, kommt ihm ein erheblicher Denkmalwert zu.


Der Ratssaal im Köthener Rathaus

Das Rathaus hat 46 Zimmer, 234 Fenster und eine Höhe von 48 Metern (Turmspitze). Eine besondere Stellung unter den Räumen nimmt der von Süßenguth entworfene und von dem Köthener Tischlermeister Naumann ausgeführte Ratssaal ein. Mit seiner reich dekorierten Holzvertäfelung (Städtewappen, Holzplastiken, Ornamentschnitzereien), dem großen ornamentverglasten Fenster, handgeschmiedeten Kronleuchtern und den Tischen und der Bestuhlung aus Eichenholz ist er ein einzigartiges Zeugnis repräsentativer Raumgestaltung um die Jahrhundertwende.

Die Errichtung des Ratssaals war eine finanziell sehr aufwendige Angelegenheit. Doch der Köthener Bürger Felix Friedheim, ein Bankfachmann jüdischen Glaubens, macht anlässlich seines 100jährigen Geschäftsjubiläums erhebliche Gelder zur Ausgestaltung des Rathauses der Stadt zum Geschenk. Er wurde daher zum Ehrenbürger der Stadt Köthen (Anhalt) ernannt.


Figuren, Wappen und Zitate im Ratssaal

Die 14 allegorischen Frauenfiguren verkörpern Bereiche des gesellschaftlichen Lebens sowie Eigenschaften und Tugenden, wie Kunst, Gewerbe, Wissenschaft, Ackerbau, Barmherzigkeit, Sparsamkeit, Fleiß, Beredsamkeit, Verschwiegenheit, Gerechtigkeit, Weisheit, Frömmigkeit, Reichtum und Wahrheit. Eng im Zusammenhang damit stehen auch die Sprüche am Gebälk und im Fenster, wie beispielsweise:

  • "Die Wahrheit ist ein selten Kraut, noch seltener, wer sie gut verdaut."
  • "Einigkeit ein festes Band, hält zusammen Leut und Land."
  • "Wer guter Meinung kommt herein, der soll hier stets willkommen sein.
  • Wer aber anders kommt herfür, der bleibe lieber vor der Thür."
  • "Viel Reden und wenig sagen, davor mögt gütlich uns bewahren."

Die Eule im Fenster versinnbildlicht die Weisheit der hier zu fassenden Beschlüsse. Staats- und Stadtwappen sollen verdeutlichen, dass die Stadt immer ein kleiner Teil des Staates ist und bei den Beratungen deshalb stets die Interessen und Gesetze des Staates gewahrt werden und staatsbürgerlichen Pflichten im Auge behalten werden müssen. Darauf verweist auch die Inschrift "Lex" (Gesetz).

Auf den beiden Eingangstüren sind die folgenden Aufforderungen zu finden:

  • "Eingang, Ausgang früh und spat, diene stets dem Wohl der Stadt."
  • "Widmet Eure volle Kraft dem Gedeih der Bürgerschaft."
  • "Da Reden Silber, Schweigen Gold, Ihr stets das Mittel wählen sollt."

Die Wappen der Städte aus den Anhaltinischen sowie aus den angrenzenden Ländern Sachsen, Preußen, Thüringen und Braunschweig, die sich Oval des Ratssaales befinden, sollen auf den Zusammenhalt der damaligen deutschen Bundesstaaten und die Einigkeit im Lande hinweisen.


Neue Gemälde für den Ratssaal

Nach der Wende waren die beiden Rahmen im Ratssaal leer. Seit dem 2. Mai 2008 hängen dort klassische Ölgemälde - an der Ostseite ein Bildnis des "Bauherren" des Rathauses, Oberbürgermeister Ferdinand Schulz (1860-1911), und an der Westseite, über der Inschrift, ein Bildnis des Stifters des Ratssaales Felix Friedheim (1845-1900). Die Gemälde wurden über Spenden finanziert.


Rathaus behindertengerecht durch Fahrstuhl

Um älteren Bürgern und Bürgern mit Behinderungen den Zugang zu Ämtern im Rathaus zu erleichtern, wurde das Rathaus im Jahre 2011 mit einem Aufzug ausgestattet. Der Aufzug befindet sich am Ende des Seitenflügels auf der Seite zum Hof, der Zugang erfolgt seitlich vom Hof durch die vorhandene Tür. Um den Zugang für Behinderte zu gewährleisten, wurde im Hof eine rollstuhlgerechte Rampe errichtet. Der Aufzug hält in jeder Etage, Bedientableaus sind in entsprechender Höhe angeordnet.
Da aufgrund veränderter Aufzugstechnik keine so genannten Überfahrten mehr erforderlich sind, ist der Aufzug von außen nicht sichtbar. Die architektonische Gestaltung des denkmalgeschützten Hauses wurde somit nicht beeinträchtigt.



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