Rathaus

Wenn Sie Köthen besuchen, ist das über 100 Jahre alte Rathaus auf jeden Fall einen Besuch wert. Sehenswert ist vor allem der historische Ratssaal mit seinen ornamentverglasten Fenstern, handgeschmiedeten Kronleuchtern und reich dekorierter Holzvertäfelung. Der Turm bietet aus ca. 40 Metern Höhe einen wundervollen Blick über Köthen.

Geschichte des Rathauses

Das heutige Rathausgebäude ist schon das vierte an der Stelle seit der Ersterwähnung der Stadt 1115. Vom ersten Rathaus ist nur die Stelle sicher. Es wurde wahrscheinlich im 13. Jahrhundert erbaut. Auch vom zweiten Rathaus ist nicht viel bekannt. Es wurde im Jahr 1457 erbaut, war zweigeschossig und besaß bereits einen Ratskeller. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts war dieses Gebäude baufällig und wurde 1638-1639 durch ein neues Gebäude ersetzt. Das neue Gebäude war aber von Anfang an zu klein für Verwaltung und Polizei, später beherbergte es auch noch die Sparkasse. 1876 wird die Marktstraße 2 dazu gekauft, aber das Rathaus wird immer baufälliger.


Neubau des Rathauses

Trotz Umbaumaßnahmen im Jahr 1876 sind die Räume im Rathaus 1894 so baufällig, dass die städtischen Gelder nach Meinung der Kreissparkasse nicht mehr sicher gelagert werden können. Der Rat wird so zum Handeln gezwungen und schreibt einen Architektenwettbewerb aus. Gleichzeitig werden das Haus Marktstraße 3 und Häuser in der Ritterstraße erworben. Der erste Wettbewerb brachte keinen Sieger, so dass ein zweiter ausgeschrieben werden musste. Auch der zweite Wettbewerb brachte nicht den Sieger, so dass der Preis in zwei zweite und zwei dritte Plätze geteilt wurde.

Das heutige Rathaus ist auf dem Grundriss des Entwurfs vom Architekten Wienkopp durch die Architekten Reinhardt und Süßenguth gestaltet worden. Von Reinhardt und Süßenguth stammt ebenfalls das gleichzeitig erbaute Rathaus in Dessau. Das Köthener Rathaus wurde in zwei Etappen von 1896 bis 1900 erbaut und am 29. Oktober 1900 feierlich eingeweiht. Stilistisch ist es ein Neorenaissance-Gebäude mit Jugendstilelementen und nimmt wegen der Qualität seiner architektonischen und innenarchitektonischen Gestaltung einen bedeutenden Platz unter den Repräsentationsbauten der Jahrhundertwende in Sachsen-Anhalt ein. Da sein Originalzustand weitgehend erhalten ist, hat es einen erheblichen Denkmalwert.


Der Ratssaal im Köthener Rathaus

Das Rathaus hat 46 Zimmer, 234 Fenster und eine Höhe von 48 Metern (Turmspitze). Das Prunkstück ist der von Süßenguth entworfene und von dem Köthener Tischlermeister Naumann ausgeführte Ratssaal. Mit seiner reich dekorierten Holzvertäfelung (Städtewappen, Holzplastiken, Ornamentschnitzereien), dem großen ornamentverglasten Fenster, handgeschmiedeten Kronleuchtern, den Tischen und der Bestuhlung aus Eichenholz ist er ein einzigartiges Zeugnis repräsentativer Raumgestaltung um die Jahrhundertwende.

Die Errichtung des Ratssaals war eine finanziell sehr aufwendige Angelegenheit. Doch der Köthener Bürger Felix Friedheim, ein jüdischer Bankier, schenkt der Stadt anlässlich seines 100jährigen Geschäftsjubiläums erhebliche Gelder zur Ausgestaltung des Rathauses. Er wurde deswegen und wegen anderer wohltätiger Stiftungen 1895 zum Ehrenbürger der Stadt Köthen (Anhalt) ernannt.


Figuren, Wappen und Sinnsprüche im Ratssaal

Die 14 allegorischen Frauenfiguren verkörpern Bereiche des gesellschaftlichen Lebens sowie Eigenschaften und Tugenden: Kunst, Gewerbe, Wissenschaft, Ackerbau, Barmherzigkeit, Sparsamkeit, Fleiß, Beredsamkeit, Verschwiegenheit, Gerechtigkeit, Weisheit, Frömmigkeit, Reichtum und Wahrheit. Eng damit im Zusammenhang stehen auch die Sprüche am Gebälk und im Fenster, wie beispielsweise:

  • "Die Wahrheit ist ein selten Kraut, noch seltener, wer sie gut verdaut."
  • "Gerechtigkeit war stets der Grund, worauf ein wahrer Mann bestand."
  • "Einigkeit ein festes Band, hält zusammen Leut und Land."
  • "Wer guter Meinung kommt herein, der soll hier stets willkommen sein. Wer aber anders kommt herfür, der bleibe lieber vor der Thür."
  • "Viel Reden und wenig sagen, davor mögt gütlich uns bewahren."
  • "Ein halber Mann, der nicht nein oder ja sagen kann."
  • "Eines Mannes Rede ist keines Mannes Rede, man soll sie hören alle beide."
  • "Wenn einer kommt und sagen kann, er habe es allen recht getan, so bitte ich diesen lieben Herren, er möcht' uns diese Kunst auch lehren."
  • "Wer dem Publikum dient, ist ein armes Tier, er quält sich, niemand bedankt sich dafür."

Die Eule im Fenster versinnbildlicht die Weisheit der hier zu fassenden Beschlüsse. Einhaltung des Rechtes von Land und Bund durch diese Beschlüsse fordert die Inschrift "Lex" (Gesetz).

Auf den beiden Eingangstüren sind die folgenden Aufforderungen zu finden:

  • "Eingang, Ausgang früh und spat, diene stets dem Wohl der Stadt."
  • "Widmet Eure volle Kraft dem Gedeih der Bürgerschaft."
  • "Da Reden Silber, Schweigen Gold, Ihr stets das Mittel wählen sollt."

Auf der Rückseite des Präsentationsstuhles steht: „In Worten zart, in Werken hart.“

Die Wappen der Städte aus den Anhaltinischen sowie aus den angrenzenden Ländern Sachsen, Preußen, Thüringen und Braunschweig, die sich an den Wänden des Ratssaales befinden, sollen auf den Zusammenhalt der damaligen deutschen Bundesstaaten und die Einigkeit im Lande hinweisen.


Neue Gemälde für den Ratssaal

In den Rahmen an Ost- und Westseite des Ratssaales hingen von der Erbauung des Rathauses an immer die politischen Führer der Nation. Diesen Personenkult beendete man mit der Wende im Jahr 1989 und ließ die Rahmen leer. Seit dem 2. Mai 2008 hängen dort klassische Ölgemälde von Personen mit Verbindung zum Rathaus - an der Ostseite ein Bildnis des "Bauherren" des Rathauses, Oberbürgermeister Ferdinand Schulz (1860-1911) und an der Westseite ein Bildnis des Stifters des Ratssaales Felix Friedheim (1845-1900). Die Gemälde wurden über Spenden finanziert.


Ahnengalerie der Oberbürgermeister

Im Treppenhaus zwischen 1. und 2. Obergeschoss befindet sich seit dem 100-jährigen Jubiläum des Rathauses im Jahr 2000 eine Ahnengalerie der Oberbürgermeister der Stadt Köthen (Anhalt). Seit 1391 namentlich bekannt, sind hier Bilder der bisher 16 Oberbürgermeister seit Erbauung des Rathauses ausgestellt. Die Bilder für die Ahnengalerie stammen aus dem Bestand des Stadtarchivs oder wurden durch Amtsinhaber und deren Nachkommen zur Verfügung gestellt.


Rathaus behindertengerecht durch Fahrstuhl

Um älteren Bürgern und Bürgern mit Behinderungen den Zugang zu Ämtern im Rathaus zu erleichtern, wurde das Rathaus im Jahr 2011 mit einem Aufzug ausgestattet. Der Aufzug befindet sich am Ende des Seitenflügels auf der Seite zum Hof, der Zugang erfolgt seitlich vom Hof. Um den Zugang für Behinderte zu gewährleisten, wurde im Hof eine rollstuhlgerechte Rampe errichtet. Der Aufzug hält in jeder Etage, Bedientableaus sind in entsprechender Höhe angeordnet.

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